NaTiJa Jahr des Waschbären
Waschbären in Deutschland – das Problem
Waschbären gelten als eine der erfolgreichsten invasiven Tierarten in Deutschland. Ursprünglich stammt er aus Nordamerika und wurde vom Menschen eingeführt. Heute gibt es schätzungsweise 1,6 bis 2 Millionen Waschbären in Deutschland.
Warum sind Waschbären problematisch?
- Waschbären haben hier kaum natürliche Feinde.
- Sie sind geschickte Räuber und plündern die Nester vieler Vogelarten.
- Oft töten sie komplette Gelege oder ganze Bruten, selbst wenn sie nicht alle Jungtiere fressen. Wissenschaftler sprechen von einem übersteigerten Jagdtrieb.
- Besonders betroffen sind bodenbrütende Vögel sowie Kleinsäuger wie Feldhamster, aber auch Wildkatzen und Füchse. Diese Arten sind daher in manchen Gebieten stark zurückgegangen oder verschwunden.
Warum breiten sie sich so stark aus?
- Städte bieten ideale Lebensräume:
- viel Nahrung
- viele Verstecke
- eingeschränkte Jagdmöglichkeiten
- In urbanen Gebieten werden Waschbären oft toleriert oder sogar als niedlich wahrgenommen.
- Die Stadt Kassel gilt als Hotspot mit etwa 100 Waschbären pro 100 Hektar, eine der höchsten Dichten Europas.
Kritik an der öffentlichen Wahrnehmung
Der Waschbär wirkt zwar harmlos und sympathisch, stellt aber laut Forschern eine ernsthafte Bedrohung für heimische Tierarten dar. Das eigentliche Problem ist weniger die Existenz einzelner Tiere, als die rasante Ausbreitung einer großen Population, gegen die Deutschland bislang nur unzureichend und unkoordiniert vorgeht. Häufig findet man eine ideologisch-romantisierte Sicht auf Waschbären, Naturschutzorganisationen und Teile der Öffentlichkeit stellenden Waschbären oft als putziges Tier dar; dadurch werden die großen Probleme mit dieser invasiven Tierart, insbesondere seine Auswirkungen auf heimische Arten, verharmlost.
Rückgang heimischer Vogelarten
Das größte Problem ist die Prädation auf Vögel und deren Gelege. Waschbären sind hervorragende Kletterer und erreichen Nester in Bäumen, Hecken und Gebäuden. Besonders gefährdet sind seltene und bodenbrütende Arten. Kiebitze und Feldlerchen sind daher aus bestimmten Gebieten vielerorts nahezu verschwunden.
Störung ganzer Ökosysteme
Waschbären fressen nicht nur Eier und Jungvögel, sondern auch Amphibien, Reptilien, Insekten und Kleinsäuger. Dadurch verändern sie Nahrungsnetze und erhöhen den Druck auf Arten, die ohnehin bereits durch Landwirtschaft, Flächenverbrauch und Klimawandel belastet sind. Insbesondere der erneute Rückgang der zwischenzeitlich gut erholten Wildkatzenbestände ist alleine dem Waschbär zuzuschreiben, der gezielt die Wurfnester dieser seltenen Art plündert und die Jungtiere frisst.
Sehr hohe Fortpflanzungs- und Anpassungsfähigkeit
Waschbären sind Generalisten:
- Sie fressen fast alles
- Sie nutzen Wälder, Felder und Städte
- Sie finden Unterschlupf in Dachböden, Schuppen und verlassenen Gebäuden, dadurch können sie sich auch in dicht besiedelten Regionen stark vermehren
Probleme in Städten
In urbanen Gebieten verursachen Waschbären zusätzliche Konflikte:
- Eindringen in Dachböden und Häuser
- Beschädigung von Dämmmaterial und Dächern
- Plünderung von Mülltonnen
- Verschmutzung durch Kot und Urin
- Lärmbelästigung, besonders nachts
- Verbreitung von Tierseuchen. Waschbären können verschiedene Parasiten und Krankheitserreger übertragen. Besonders bekannt ist der Waschbärspulwurm (Baylisascaris procyonis), dessen Eier für Menschen und Haustiere problematisch sein können. Deshalb sollte man Waschbärkot nicht ohne Schutz entfernen.
Schwierige Bekämpfung
Die Forscher halten die Kontrolle der Population für sehr schwierig:
- Sterilisation gilt als wenig wirksam
- Zur Stabilisierung des Bestands müssten jährlich mindestens 40 % der Population entnommen werden
- Einzelne lokale Maßnahmen reichen nicht aus, weil die Tiere schnell nachrücken oder sich erneut vermehren
- Es fehlen bundesweit koordinierte Maßnahmen, Managementpläne sowie Hotspot-Karten für besonders sensible Gebiete
- Gefordert wird eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bundesländern und Behörden
- Das Forschungsprojekt ZOWIAC warnt ausdrücklich vor den langfristigen Folgen der „verharmlosenden Narrativen“ auf die Bestände
Fazit
Weil sie kaum natürliche Feinde haben, äußerst anpassungsfähig sind und viele geschützte Tierarten gefährden, betrachten Forscher und Wissenschaftler Waschbären als die bedeutendste invasiven Säugetierart Deutschlands.
Beispiele ideologisch-romantisierter Sicht auf Waschbären: